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Panzerfaust 3 EX Als bei uns im Büro ein langes, schweres Paket ankam, war die Vorfreude gewaltig, denn den Inhalt vermuteten wir richtig mit einer Panzer-faust 6 3, welche uns von ZIB-Militaria zuging. Um zu verstehen was wir da bekamen, hier ein paar Fakten über dieses tolle Stück Deutscher Militärgeschichte... Die Panzerfaust 3 war die Antwort auf die fortschreitende Panzerungstechnik der 70er Jahre. Die Sowjets experimentierten mit Re-aktivpanzerungen und im Westen kam ver-stärkt die Verwendung von wirkungsvolleren Verbundpanzerungen auf. Die bisherige Pan-zerabwehrwaffe im Kaliber 44mm „Lanze“ war eine leichte Panzerfaust und konnte nicht län-ger für zuverlässige Wirkung garantieren. Das andere, damals vorhandene System war die schwere Panzerfaust „Carl Gustaf“ im Kaliber 84mm, welche ihrem Namen aber in der Anwendung und dem Handling alle Ehre machte. Auch hatte sie anhand ihrer bauartbe-dingten Eigenschaften einige Einschränkun-gen die Gefechtsköpfe, als auch ihrer Anwen-dung betreffend. Schon damals ging der Trend in Einweg-Pan-zerabwehrwaffen, welche nach dem Ver-schuss der Munition nicht länger den Soldaten behindern sollten. Somit entwickelte Dynamit Nobel die Panzerfaust 3, welche noch heute ein hervorragendes Gesamtpaket darstellt. Die 1992 eingeführte PzFst 3 hat den Vorteil über ein wiederverwendbares Griffstück zu verfü-gen, lag mit 12,9kg unter dem Gewicht des Carl Gustaf mit seinen 15kg und ist durch die Wegwerfpatronen (das Rohr kann man nach dem Verschießen wegwerfen) schneller wie-der feuerbereit. Der größte Vorteil und die beste Neuerung damals war jedoch eine Ausgleichsmasse hin-ter der Treibladung des Geschosskopfes im Rohr. Das Gewicht des Geschosskopfes wird so mittels einfachster Physik durch eine gleich schwere Gegenmasse in entgegengerichtete Richtung aufgehoben. Dies macht die PzFst 3 zu einer rückstoßfrei-en Waffe, deren Präzision, Schussverhalten und die Beeinträchtigung des Schützen im Gegensatz zu damals vorhandenen Systemen deutlich verbesserte. Nun war es möglich auf fahrende Ziele bis 300m und auf stehende Ziele bis 400m zielsicher gegen 70cm starken Panzerstahl zu wirken. Auf das so entstandene System baut die Bundeswehr bis heute und zahlreiche Ver-besserungen des Gefechtskopfes und der Ab-schussvorrichtung halten die Waffe auf Höhe der Zeit. Neueste Modelle wie die Panzerfaust 3-IT durchdringen derzeit über 80cm Panzer-stahl und gewährleisten mittels computerun-terstützen Zielsystemen Treffsicherheit auf 600m Entfernung. Die Rolle der Panzerfaust veränderte sich aber ebenfalls über die Jahre. Während man alleine dem Namen nach über Jahr-zehnte nur damit den Feuerkampf gegen Panzer im Hinterkopf behielt, war schon im zweiten Weltkrieg eine neue, benötigte Form der Waffe absehbar. Damals schos-sen sich Soldaten im Orts- und Häuserkampf mit Systemen wie der Panzerfaust oder dem Panzerschreck Trassen durch die Hauswän-de – mit dem Krieg in Afghanistan stand die Bundeswehr vor einem ähnlichen Problem. Die Taliban nutzten gerne die überall vorhan-denen Lehmwände und dem war kaum Herr zu werden. Eine 1m dicke Lehmwand schluckt die Energie der vorhandenen Waffen förmlich und der Treffer mit einer normalen Panzerfaust 3 sorgte meist für nicht mehr als ein kleines Loch, welches durch die Wand ging. So kam es zur Verwendung des Bunker-faust- Gefechtskopfes, welcher deutlich mehr Schaden anrichtet als nur ein kleines Loch und Befestigungen (selbst aus Lehm bestehen-den) durchdringt und zuverlässig auseinander sprengt. Es ist also nicht verwunderlich, dass dieser Allzweckdosenöffner bei keinem BW-Reenac-tment- Team fehlen sollte und seit neuestem gibt es auch die Möglichkeit an ausgemusterte „EX“ (Exerzier) Modelle der Bundeswehr über ZIB-Militaria ran zu kommen. Die EX Modelle entsprechen dem realen Gewicht der PzFst 3 und sind auch sonst in


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