Page 35

ASM_26

35 Nach unserem Artikel über die German Gun- Works HK416C SAS haben wir Alberich von GGW mit unseren Fragen für Euch gelöchert. ASM: Wie kommt man dazu aus nagel neu-en, perfekten Waffen, gealtert aussehnde zu machen? GGW: Das ist eine natürliche Entwicklung. Wer als Kind mehrere Plastikmodelle gebaut hat, fing irgend wann mal an den Panzer oder das Flugzeug realistischer darzustellen. Plötzlich pinselte man Ruß auf, fügte den Kettenglie-dern Rost an oder lackierte andere Verschmut-zungen um die Details hervor zu heben. Das Ergebnis ist dann eine bessere Darstellung der Realität, als man es in den meisten Museen anschauen kann. Bei den Waffen sehe ich es nicht anders. Klar sind neue Waffen ganz schön anzusehen, aber dies gilt nur für die Vitrine. Was dem Neu-en fehlt ist Charakter bzw. die Zeichen, welche der Waffe eine Geschichte geben. Vitrinenwaffen gehören in einen Showroom um die Technik dahinter zu zeigen - die Ge-schichte kann aber nur über eine Waffe mit Kratzern und anderen Abnutzungsspuren ge-zeigt werden. ASM: Wir haben nun schon einige Waffen ge-sehen und bei jeder kamen unterschiedlichste Techniken zum Einsatz. Woher habt Ihr dieses Wissen? GGW: Eigentlich sprechen wir hier von Erfah-rung, das Wissen kommt dadurch meist von selbst. Wenn man jahrzehntelange Erfahrung als Auftragsmodellbauer für die Industrie hat und privat auch dem Hobby verfallen ist, stellt das Meiste kein Problem dar. Die größte Her-ausforderung stellte sich bei mir anfänglich in dem Wissen über die unterschiedlichen Mate-rialien im Schusswaffenbereich. Man hat es mit allen möglichen Arten von Holz, Kunststoff und Metall zu tun - und alle reagie-ren anders. Manches kann man erhitzen, an-deres würde dabei kaputt gehen. Manches kann man problemlos lackieren, auf einem an-deren Untergrund würde der Lack nicht haften. Man muss sich daher bei jedem Bauteil darü-ber bewusst sein mit was man es zu tun hat. Dies ist selbst heute mit dem hinzukommen der Airsofts nicht immer leicht. ASM: Vor welchen Problemen steht Ihr spezi-ell bei Airsoftwaffen? GGW: Naja, kurz gesagt gibt es bei Airsoftwaf-fen sehr viel Mist. Es ist die Natur der Waffen eine marktfähige Kopie eines Originals zu sein. Eine Airsoft darf nicht teuer sein, sonst würde sie niemand kaufen. Das macht sich in der Ma-terialwahl und Verarbeitung leider bemerkbar. Statt gefräßstem, hochwertigen Stahl, nutzt man dann an den falschen Stellen Plastik, Alu oder Zinkdruckguss. Jeder Bastler an Airsoft-waffen kennt diese Probleme. Schrauben dre-hen im Gehäuse plötzlich hohl, Funktionsteile brechen oder Gehäuseteile fallen ab. Selbst bei höherpreisigen Waffen schauen wir stellenweise auf Bauteile, die wir dann spa-ßeshalber GO-Gadgets nennen. Das Go steht hier als Kürzel für „Geplante Obsoleszenz“. Hier stehen wir selber vor Hürden, welche wir nicht überwinden können, weil wir einerseits an schussrelevanten Teilen Hand anlegen müssten oder der Kosten- Leistungsrahmen deutlich gesprengt würde. Prinzipiell bearbeiten wir deshalb nur noch höherwertige Airsofts, welche gewisse Eigen-schaften aufweisen müssen. Ist die Basis ma-rode, kann das Ergebnis nicht drüber wegtäu-schen. ASM: Du sprachst von geplanter Obsoles-zenz? (Erkl.: Bauteile die bewusst eingebaut wurden damit die Waffe nach einer bestimm-ten Zeit kaputt geht) GGW: Wie würdet Ihr das nennen, wenn bei manchen Bauteilen billigster Kunststoff auf aufgerautem Zinkdruckguss bei jedem Schuss reibt? Der konstruierende Ingenieur hat mit Sicherheit seine Ausbildung im Bereich Ma-teriallehre erhalten und das Problem erkannt. Solche Stellen sehen wir sehr häufig und die meisten Airsofts werden genau deshalb nicht alt. ASM: Hast Du Beispiele? GGW: Sehr viele sogar, nur wo beginnen die GO-Gadgets und wo hört die Unfähigkeit eines Herstellers auf? Ich möchte niemandem etwas vorwerfen, was man letztlich nicht beweisen kann. ASM: Welcher Airsoftumbau hat Dir bisher am meisten Spaß gemacht? GGW: Ganz klar der M1 Carbine. Die Grund-lage war gut und das Ergebnis hat selbst mich verblüfft. Dies liegt aber mehr daran, dass Holz zu meinen bevorzugten Werkstoffen gehört, denn es lässt sich enorm viel daran umsetzen. Ein weiterer Reiz war die Tatsache, dass es keinen frühen Carbine im Airsoftbereich gibt und die Herausforderung einen täuschend Echten zu erstellen sehr groß war. Leider ist dies aber eine Airsoft die allem An-schein nach ein Unikat bleiben wird, denn selbst für Sammler sprengt er jeglichen Preis-rahmen. Er liegt preislich nur wenige hundert Euro unter einem Original. ASM: Wie attraktiv ist für Dich der Airsoftwaf-fenbereich? GGW: Wirklich attraktiv ist der Customwaffen-bereich beim Airsoft nicht. Das Problem ist, dass es kaum Sammler bzw. Spieler gibt, welche bereit sind für Qualität und Handwerk Geld zu investieren. Ein Sammler, der Geld hat, kauft sich eine deaktivierte oder noch aktive Originalwaffe. Der durchschnittliche Airsoftspieler fällt bei unseren Preisen tot um, also bleiben nur noch halbwegs fanatische Reenactoren übrig und davon gibt es kaum welche. ASM: Lohnt sich das dann? GGW: Naja, Airsofts zu überarbeiten ist ein Versuch und bisher läuft er ganz gut. Das Problem ist eher die Masse an normalen Spie-lern, welche uns mit Anfragen überschüttet. Meist ist es die Neugier Anderer, welche uns ausbremst und die Arbeitszeit durch Antwor-ten bindet. Von 40 Anfragen wird derzeit etwa eine zu einem Auftrag. Hier müssen wir eine Lösung finden. Vermutlich werden wir in Kür-ze eine Angebotsgebühr einführen müssen, damit nur noch tatsächlich Interessierte uns anschreiben. Hinter jeder Waffe steckt viel Recherche und somit auch hinter jeder Antwortmail um ein An-gebot erstellen zu können. Nur um die Neugier zu befriedigen ist das zu viel Zeit, die kaputt geht - und das gefährdet die Struktur an sich. Das Herz schlägt aber weiterhin für schöne Großkaliber Büchsen. ASM: Wir lesen oft beim Thema German Gun- Works von Spielern „Ich kann das auch“. Was meint Ihr dazu? GGW: Ja klar gibt es mit Sicherheit einige Airsoftler, welche ein gleiches oder sogar bes-seres Ergebnis erzielen können, wir sind nicht perfekt. Unsere Waffen bestehen aber aus mehr als nur dem Materiell sichtbaren. Um den Job zu machen muss man einiges mehr können als nur einen Pinsel in die Hand zu nehmen. Man muss recherchieren können, man muss ein sehr umfangreiches Wissen über die Ori-ginalwaffen haben, Materialien bewerten kön-nen und das handwerkliche Know-How haben dies auch umsetzen zu können. Am Beispiel des M1 Carbine kann man das schön erklä-ren. Wer nur die Airsoft kennt und noch nie das Original in der Hand hielt, wird es sehr schwer haben ein authentisches Replica zu bauen und die Dinge zu erkennen die an das Origi-nal einfach hin gehören, die Airsoft aber nicht aufweist. Später die hochauflösenden Bilder im ASM betrachten, sämtliche Details dabei sehen und dann zu meinen „Kann ich auch“, ist jedem selbst überlassen. Wir freuen uns aber auch wenn wir gute Eigenkreationen von Spielern sehen, das gibt dem Ganzen Vielfalt und uns Ansporn Neues zu versuchen!


ASM_26
To see the actual publication please follow the link above