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Aktuelle Lage Abläufe zu halten. Die Jugendlichen kommen in Folge solcher Bemühungen meist noch 2-3 Mal in den Verein und bleiben dann Schon seit einigen Jahren gehen die Nachwuchszahlen bei den Schüt- wieder fern. Das Warum wurde zuvor schon erklärt - statisches zenverbänden drastisch zurück. Es gibt kaum mehr ein Verein, welcher Scheibenschießen ist langweilig. nicht zusehend am überaltern ist. Viele Schießstätten sehen sich daher vor dem Aus, denn es wird für sie von Jahr zu Jahr schwerer Abläufe und Nun ist es so, dass man in vielen Vereinen nicht einmal erwähnen Vereinspositionen mit Personal zu besetzen. braucht, dass man selbst Airsoft spielt. Direkt wird man schief an- geschaut und als Wurzel allen Übels abgestempelt. Die Tatsachen Nach Außen gibt man sich zwar meist gelassen und verweist auf eine sprechen hier aber eine ganz andere Sprache. Airsoft, als auch Paint- Vielzahl von Mitgliedern, intern ist dieser Baum jedoch marode und ver- ball sind derzeit die einzigen Schützensportarten, welche noch funktio- fault, denn die viele Vereine haben mehr Karteileichen als aktive Mitglie- nieren. Die Verbände und Vereine lächzen förmlich nach Jugendzahlen, der. welche wir mit unserem Hobby ständig aufweisen können. Gründe für die Problematik Nun stehen die Sportschützenverbände aber vor einem großen Problem. Während z.B. der DSB noch vor wenigen Jahren einen Aufruf zur Äch- Fragt man jemanden in einem Schützenverein weshalb es so schlecht tung von Airsofts an seine Vereine herausgab und auch andere Verbände ausschaut, so hört man viele Antworten. Unter den Top-Ten befinden sich hier nicht gut darauf zu sprechen waren, hat man erreicht was man nun aussagen wie: „Die Jugend hat keine Zeit mehr dafür“ oder „Die Presse am liebsten rückgängig machen würde. Die Vereine und Sportschützen hat das Image zu stark angekratzt“. sind zum Großteil gegen Airsoft eingestellt und verschließen sich die Nachwuchsquellen schon selbstständig. Leider kann man diese Faktoren aber nicht als Hauptursache geltend ma- chen, denn auch Seitens der Verbände und Vereine redet man sich die Die Bemühungen hier über Überschneidungen Nachwuchs zu gewin- Ursachen schöner, als sie tatsächlich sind. Sicherlich ist das Image des nen werden einerseits über das geltende Gesetz, andererseits über die Schießsports mitverantwortlich und viele Eltern möchten nicht, dass ihre Einstellung der Sportschützen enorm erschwert. Man versucht über die Kinder den Umgang mit einer Waffe lernen. Dies gilt aber nicht in dem IPSC Schiene Airsoft zu integrieren, begreift aber nicht, dass die meisten Ausmaß, wie man es seitens der Verbände glauben machen möchte. Spieler zwar für IPSC begeisterungsfähig sind, aber das Gesamtpaket auf dem Feld noch mehr wünschen. Betrachtet man den Rückgang in ländlichen Gegenden verpufft dieses Imageproblem in den meisten Fällen. Hier kann man auf eine uralte Als der BDAS (Bund Deutscher Airsoft Spieler) mit dem BDMP (Bund der Schützentradition zurückblicken, bei der ganze Generationen mit dem Militär und Polizeischützen e.V.) in Kontakt stand, ging es um eine mögli- Schießsport verwurzelt sind und man nicht von vornherein dagegen ist. che Kooperation beider. Letztlich sollte die IPSC Schiene in Kooperation Dennoch fehlt auch hier die Jugend - warum? ausgebaut werden und unter die schützenden Flügel des starken BDMP eingeordnet werden. Als man seitens des BDAS aber andere Spielarten Um es auf den Punkt zu bringen - statisches Sportschießen auf statische wie z.B. Taktisches Mannschaftsspiel, Freies Spiel oder Reenactment Scheiben ist für die meisten Jugendlichen einfach nur langweilig und öde. ansprach, wollte man davon nichts wissen und wiegelte direkt ab. Man wollte also unter dem Strich einen direkten Zugang zu den Airsoftspielern, Die Vereine und Verbände sind bewusst nicht mit der Zeit gegangen und die wertvollsten Tortenstücke dabei herausschneiden - nicht aber für den haben sich dabei selbst vor ihr Aus gesetzt. Noch vor nicht einmal 20 Rest der Airsoftspieler einstehen. Die Antwort des BDAS kam promt - Jahren hat man es versäumt den Schießsport breiter aufzustellen, um so Danke, aber nicht mit uns! die nötige Action zu bieten, die ein Jugendlicher heute erwartet. So ist die aktuelle Situation weiterhin wie anfänglich beschrieben. Die Die Konkurrenz und der Auslöser der Rückgänge lässt sich ganz klar auf Schützenverbände sind fest eingefahren, investieren zwar Zeit und Mittel moderne Computerspiele zurückführen. Diese sind schlichtweg flexibler, in hoffnungslose Versuche etwas daran zu ändern, schaffen es aber in kostengünstiger, deutlich interessanter und letztlich auch sozial leichter ihrer Borniertheit einfach nicht. als es eine 100m Bahn mit einer Scheibe am Ende sein kann. Praktisch könnten wir als Airsoftspieler uns zurücklehnen und mit einem Für was soll heute ein Jugendlicher ein Vereinspaket akzeptieren, wel- Lächeln zusehen wie das Schiff der Sportschützen vom Kentern in die ches aus vielen Auflagen, Investitionen und meist auch Unterordnung be- Tiefen des Ozeans versinkt... wäre da nicht der Sog der uns als Airsoft- steht, wenn er etwas viel Besseres zuhause haben kann? spieler mit herunterreißen würde. Die meisten Schützenvereine werden von Schützen dominiert, welche Airsoft existiert nur aus dem Grund, da es sich wie eine Klette in dem durch borniertes und altbackenes Verhalten hervorstechen. Erfüllt man Waffengesetz an die Sportschützenregelungen angeheftet hat. Verteidi- sich als Sportschütze den Traum ein „Blackrifle“ zu besitzen, welches z.B. gen die Groß- und Kleinkaliberverbände diese Gesetze gegen Verschär- optisch einer M4, einem G3 oder einer HK416 nahe kommt, wird man fungen, machen sie dies indirekt auch mit unserem Hobby. Durch die direkt schief angeschaut oder die Nutzung sogar verboten. „Zu militant“ zunehmende Schwächung dieser Schützenlobby fällt somit auch die sähe das Bild nach außen aus. Wehrhaftigkeit von Airsoft. Es scheint als ob vielen Vereinsvorständen es am liebsten wäre, wenn Jetzt könnte man meinen Airsoft ist zwischenzeitlich groß genug um die- die Mitglieder mit einer schönen Wurzelholz-Jagdflinte ihrem Sport nach- se Lücke zu füllen, was theoretisch auch stimmt, jedoch praktisch nicht gehen, maximal 10 Schuss abgeben damit die Anlage nicht zu sehr bean- möglich ist. Es gibt kaum Airsoftspieler die zu ihrem Hobby stehen, denn sprucht wird und die restliche Zeit am Stammtisch verbringen und mit Ge- die meisten betreiben es mit maximaler Anonymität. Daraus resultiert die tränken die Vereinskasse füllen. Im O-Ton wird dann über den fehlenden Tatsache, dass man über Institutionen wie den BDAS zwar Spieler errei- Nachwuchs geklagt - will man aber etwas dagegen unternehmen ist es chen kann, aber kaum einen findet, der bereit ist aktiv etwas zu leisten. auch nie recht, denn man würde von traditionellen Vorgängen abweichen müssen. Hat man sich doch über viele Sitzungen und Gespräche mal Die Situation ist über dies so verfahren, dass es hunderte von Ansätze darauf geeinigt etwas zu unternehmen - was meist in einem Jugendtag gibt wie man das Hobby fördert, dass letztlich die gesamte Energie in vie- oder Tag der offenen Tür mündet - schafft man es zwar eine Hand voll len kleinen Blitzen verpufft. Lösungen dafür fehlen leider oder sind wegen Jugendliche zu begeistern, verpasst es aber diese durch die normalen den Spieleregos erst gar nicht umsetzbar. (VL)


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